V. Monarchie, Krieg und Revolution

Königsberg 1913 bis 1921

Für ein Jahr ziehen Fritz und Gertrud Radok durch  Deutsch-Ost-Afrika. Fritz schießt einen Elefanten und manch anderes Wild, Gertrud freundet sich mit ihrem Affen Augustchen an. Sie kehrt im Frühjahr 1914 nach Deutschland zurück, weil sie ihr erstes Kind erwartet; Fritz folgt ihr wenige Monate später. Kurz nach Kriegsausbruch gebärt sie ihren Sohn Christophin in Kohlhasenbrück bei Berlin. Als der Weltkrieg den Traum einer Übersee-Existenz beendet, werden sie wieder Königsberger.

Fritz Radoks Kriegsdienstdokumente

Wie fast alle deutschen Männer meldet auch Fritz Radok sich mit nationaler Begeisterung freiwillig zum Armeedienst und verbringt einige Monate in Polen an der russischen Front. Er hat einen Rückfall nach einer 1910 in Moskau zugezogenen Ruhrinfektion und wird aus der Armee entlassen. Gertrud kehrte inzwischen mit ihrem Sohn zu ihren Eltern in Groß Thierbach zurück.

Nach von Hindenburgs Sieg bei Tannenberg im August 1914, machen Landstreicher und Fahnenflüchtige die Provinz unsicher. Einzelstehende Güter sind gefährdet, und die Besitzer sind immer auf der Hut. Hans Vageler erschießt fast seinen Schiegersohn Fritz, als er in Uniform, ungewaschen und unrasiert, über den Hinterzaun klettert, um Gertrud zu überraschen.

Königsbergs Zentrum und seine westlichen Vororte

Die Familie Radok zieht in der zweiten Hälfte des Jahres 1915 nach Königsberg, wo Fritz am 15. November in die Waggonfabrik Steinfurt eintritt, und so sein Lebenswerk beginnt. Zuerst wohnen sie in einer Etagenwohnung an der Ecke Schrötterstraße/Hammerweg, dann in einer Doppelvilla, Körteallee 35, zwischen der Ottokarstraße und der Kastanienallee im Königsberger Villenvorort Amalienau.

Radoks Kindersegen

Nach Christoph, dem Ingenieur und aufsehenerregenden Athleten, stellt sich weiterer Kindersegen ein: Uwe, der Wissenschaftler und unermüdliche Bücherwurm, 1916, Jobst, der Geschäftsmann und vielseitige Praktiker, 1917, Rainer, der Mathematiker und lebenslange Autor, 1920, und Gundula, die Krankenschwester und aufopfernde Mutter, 1921. So werde ich Zeitgenosse, und zu dem Gehörten und Gelesenen gesellen sich Erlebtes, Aufgezeichnetes und später Erkanntes. Zunächst dominieren zunächst Fritz und Gertrud in ihren Rollen als Vater und Mutter.

Den schweren Weltkriegsjahren 1914 - 1918 folgen die Verwirrungen der Revolution und der Inflation. Es scheint fast, daß das Leben wird nie wieder dem der Vorweltkriegsjahre gleichen. Fritz Radok ist stolz auf seine Söhne, gibt seine Anhänglichkeit an die Monarchie nicht auf und läßt an nationalen Feiertagen die alte Reichsflagge aus dem oberen Stockwerk neben der Republikflagge flattern. Er folgt in seines Vaters Spuren mit Ehrenämtern für das öffentliche Wohl. Die Amalienauer bilden eine Bürgerwehr; Fritz ist selbstverständlich ein Mitglied. Eines Nachts verschwinden alle Schuhe von der Hintertür seiner Villa, ein Geschehnis, das später öfters erwähnt wird.

Karl Liebknecht Rosa Luxemburg Walther Rathenau

In seinen eigenen Augen und denen vieler anderer gehört Fritz Radok zu einer alten Königsberger Familie mit allen Rechten und Pflichten. Er glaubt an die Wichtigkeit des Armeedienstes für das Mannwerden und sieht schon seine Söhne als Verteidiger des Vaterlandes und im Dienste der Revision des, in den Augen vieler Deutscher, katastrophalen Versailler Vertrages. Die Morde an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Walther Rathenau, und anderen kleinen und großen Liberalen und Linken durch rechtsgerichtete Täter sind Zeichen der Zeit, die nur wenige verstehen, verstehen können oder verstehen wollen. Der Nationalismus ist eine Scheuklappe.