VOR UND NACH DER REICHSKRISTALLNACHT

Die Geschichte einer Kšnigsberger Familie

erzŠhlt von

Rainer Radok

INHALT

VORWORT

I.. EIN NAME ENTSTEHT

Bšhmen 1680 bis 1868

Die Juden von Moldautein ziehen 1680 nach dem nahen Kalladey, nehmen Familiennamen an, erfreuen sich der befreienden Gesetze von 1848. Elias Radok wird 1840 geboren, studiert Maschinenbau in Prag und geht nach jahrelanger TŠtigkeit in Berlin nach Kšnigsberg, der Hauptstadt der Provinz Preu§en.

II. WILLKOMMEN ALLEN FLEISZIGEN ZUWANDERERN

Ostpreu§en 1819 bis 1890

Die Familie Pincus kommt aus Lobsens im Netzedistrikt nach Kšnigsberg, wo ihr Sohn Salomon nach schwerer Schulzeit Medizin studiert. Er wird Kreisphysikus in Insterburg und spŠter Physikus in Kšnigsberg. Seine Tochter Jenny heiratet Elias Radok.

III. SCHAFFEN UND ERFOLG

Kšnigsberg 1764 bis 1910

Kšnigsbergs Union-Gie§erei steht auf dem GrundstŸck einer 1764 gegrŸndeten Silbergie§erei. Ihr Leiter Gottfried Ostendorff holt Elias Radok nach Kšnigsberg. Nach Ostenddorffs Tod fŸhrt Elias Radok die Firma zu gro§em Erfolg. Elias und Jenny haben fŸnf Kinder. Sie fŸhren zusammen ein reges Leben mit AusflŸgen an die Ostsee und Skilaufen in der Stadt. Als Elias 1910 stirbt, hat er gro§es Ansehen und Wohlstand erworben.

IV. EINE PROVINZ SUCHT NEUE BAUERN

Ostpreu§en 1800 bis 1913

Die Vageler Familie kommt aus Holstein mit vielen Kindern, um in Ostpreu§en weiter landwirtschaftlich tŠtig zu sein. Der Šlteste Sohn Wilhelm hat auch viele Kinder, die oft ihren Gro§vater auf einem Nachbargut besuchen. Unter ihnen ist Gertrud, die 1913 Fritz Radok heiratet.

V. MONARCHIE, KRIEG UND INFLATION

Kšnigsberg 1913 bis 1921

Nach ihrer Heirat in Kšnigsberg ziehen Fritz und Gertrud Radok durch Deutsch-Ost-Afrika. Beim Ausbruch des Weltkrieges sind sie wieder in Deutschland. Fritz meldet sich freiwillig zum Armeedienst, wird aber nach wenigen Monaten aus GesundheitsgrŸnden aus der Armee entlassen. Er findet Arbeit in Kšnigsbergs Waggonfabrik Steinfurt . Ich werde als viertes von fŸnf Kindern 1920 geboren.

VI. HEIM UND HEIMAT

Kšnigsberg 1922 bis 1933

Ein gro§es Haus mit einem schšnen Garten sind der Hintergrund fŸr ein privilegiertes Familienleben. Seine Hšhepunkte sind Weihnachten, , Sylvester, Ostern, Pfingsten, AusflŸge mit Eisenbahn oder Auto nach NeuhŠuser, Cranz und auf die Kurische Nehrung fŸllen viele Wochende, Musik und Musizieren. viele Abende

VII. SCHULFERIEN

Nidden 1924 bis 1939

Nidden ist ein Fischerdorf in einem Naturschutzgebiet. Erst Anfang der Drei§iger Jahre wird es elektrifiziert. Man erreicht es nur mit Schiff, Pferdewagen, Pferdeschlitten, zu Pferd, mit dem Fahrrad oder zu Fu§. Es wird das Idyll meiner Kindheit und Ziel ewiger Sehnsucht.

VIII. MEINE ERZIEHUNG

Kšnigsberg, MŸnchen 1926 bis 1939

Ich absolviere die Vorschule und das Gymnasium, wŠhrend Hitler zu voller Macht kommt. Vater feiert den 1. Mai.Ich habe gelegentlich Probleme. Einer nach dem anderen verlassen die BrŸder Kšnigsberg. 1938 feiern wir die Silberne Hochzeit der Eltern und ich beginne an MŸnchens Technischer Hochschule mein Studium des Maschinenbau. Vater verliert 1938 seine Stellung. Zwei BrŸder finden in England Arbeit. Vorbereitungen fŸr die Auswanderung der ganzen Famile fangen langsam an und beschleunigen sich nach der "Reichskristallnacht" im November 1938. Ich habe das GlŸck, auf meiner Heimreise nach Kšnigsberg, Weihnachten 1938, Norah Trangmar zu treffen.

IX. MEINE AUSWANDERUNG

England 1939

Mit Mrs. Trangmars Hilfe organisiere ich meine eigene Auswanderung unabhŠngig von den PlŠnen der Familie. Vielleicht getrieben von der Tatsache, da§ zwei BrŸder schon im England arbeiten, fahre ich im Juli 1939 dorthin. Die BrŸder beschlie§en, da§ wir angesichts des Angriffes auf Polen am Freitag, den 31. August, gemeinsame Unterkunft bei Freunden in Middlesborough suchen sollen. Am 24. September 1939 werden wir interniert.

X. DIE AUSWANDERUNG DER ELTERN UND SCHWESTER

Deutschland, Italien, Portugal, USA 1939 bis 1941

Langsam gewšhnt sich Vater an die Notwendigkeit einer Auswanderung. Er reicht EinwanderungsantrŠge nach Amerika und Australien ein.Er korrespondiert mit Grete Simon in New York und Uwe in Schottland. Er sucht nach Verwandten, die lange zuvor aus Bšhmen auswanderten. Bei Kriegsausbruch wird er verhaftet. Mutter ist alleine und sucht den Rat von Karl Kiesel in Berlin.. Kurz vor Weihnachten 1939 wird er entlassen, um seine Auswanderung zu betreiben und bestehende Visen-, Geld- und Pa§-Probleme zu lšsen. Auf dem Weg nach Venezuela mit Mutter und Tochter wird er bei Italiens Kriegseintritt in Genua verhaftet und in Salerno interniert. Nach Monaten in Lissabon erreichen sie erreichen Ellis Island im Februar 1941

XI. INTERNIERUNG DER DREI BR†DER

England und Australien 1939 bis 1942

Am 24.9.1939 werden wir interniert und in Lagern, mit unter anderen Leuten auch Mannschaften von deutschen Schiffen, in Gainsborough, Seaton, London und Lingfield untergebracht,. Die GrŸnde unserer Anwesenheit in England werden untersucht. Anfang MŠrz 1940 fŸhrt der "Solffall"zu mehr Internierungen. Am 30.6.1940 werden wir nach Kanada deportiert auf der "Arandora Star", die auf hoher See torpediert wird. Wir werden mit vielen anderen gerettet und nach Schottland gebracht. Am 11.7.1940 fahren wir mit der Dunera nach Australien. Am 2.9.1940 verlassen wir in Melbourne das Schiff mit den mehr verdŠchtigten Gefangenen, wŠhrend Ÿber 2000 andere Internierte nach Sydney weiterfahren. Nach wenigen Wochen erreicht unsere kleine Gruppe von FlŸchtlingen aus Deutschland Trennung von den Nazis und wird in ein anderes Lager gebracht, das bald danach Internierte aus Singapur empfŠngt. Mit Hilfe der philanthropen australischen Christlichen Studentenbewegung gelingt es uns, in London und Australien UniversitŠtsexamen zu nehmen. Am 13.5.1942 werden wir aus der Internierung entlassen und treten in die australische Armee ein.

XII. SOLDAT UND STUDENT

Australien 1942 bis 1945

Wir werden Soldaten . Wir laden Schiffe, ZŸge und verrichten allgemeine Arbeiten in Melbourne und in den victorianischen Grenzstationen Albury und Tocumwal. Ich immatrikuliere an der UniversitŠt Melbourne . Nach Bestehen aller Examen an drei Jahresenden werden Torchie und ich am 22. Dezember 1944 heiraten. Wenige Monate nach Bruder Uwe werde ich im Januar 1945 aus der Armee entlassen.

NACHWORT

In 1947 ist die ganze Familie in Melbourne vereint. In 1965 folgen Torchie und ich einer Einladung nach Russland und besuchen Kšnigsberg und Nidden, wo ich an vielen Stellen einzigartige Aufnahmen mache bevor Entwicklung und Tourismus die Umgebung Šnderten.

Letzte Revision 15. September, 1999.